Wie Peking das Rennen machte
Franzi: Kleine Rückschau: die Entscheidung über den Austragungsort der diesjährigen Olympischen Spiele ist schon vor Ewigkeiten gefallen – im Jahr 2001 setzte sich Peking gegen seine Mitbewerber durch. Und das waren die Konkurrenten, die damals mit der chinesischen Hauptstadt um den Zuschuss buhlten: (Regie, wir brauchen mal eben einen Trommelwirbel!)
Toronto, Paris, Istanbul und Osaka!
Und alle fünf Städte hatten in der Bewerbungsphase vermeintlich gute Argumente vorzubringen, warum gerade sie die Olympischen Spiele 2008 ausrichten sollten! Aber gut ist eben oft nicht gut genug. Osaka und Istanbul durften sich von Anfang keine allzu großen Chancen ausrechnen. Peking war dagegen schon bald der Favorit, da hätte man sich aus heutiger Sicht das aufwendige Bewerbungsverfahren auch gleich sparen können.
Toronto, die größte Stadt Kanadas, wollte die Juroren mit seiner multikulturellen Gesellschaft von sich überzeugen. Außerdem warben die Torontoer (Torontaner, Torontologen??) mit dem Argument, dass die meisten Sportstätten der Stadt innerhalb von fünfzehn Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar seien. Aber mal ehrlich: eine gute Infrastruktur macht einen noch lange nicht zum würdigen Kandidaten für das größte sportliche Ereignis ever! Mal abgesehen davon haben es die Kanadier schon 1976 versemmelt, als die Olympischen Spiele in Montréal stattfanden. An der Verschuldung haben sie noch heute zu knabbern! Setzen, Sechs.
Auch Paris bewarb sich als Austragungsort. Unsere französischen Freunde waren da schon etwas kreativer und wollten uns mit verlockenden Aussichten becircen: Beachvolleyball-Spiele unter dem Eiffelturm, Reitturniere vor dem Invalidendom. Ja, Olympia vor malerischer Kulisse, das hätte uns schon gefallen! Aber, oh là là, auch das konnte die Kommission offensichtlich nicht überzeugen.
Und somit wurde dann schließlich Peking – und damit zum fünften Mal ein autoritärer Staat – für die Olympischen Spiele auserwählt (nach Berlin 1936, Mexico-Stadt 1968, Moskau 1980 und Seoul 1988). Die Kommission begründete ihre Wahl damals mit dem Argument, das politische System in der Volksrepublik China sei zumindest für dieses Land „funktionierend“. Offenbar ahnte sie schon damals, dass die Entscheidung für Zündstoff sorgen würde! Zu Recht, wie die nicht enden wollende Diskussion um Menschenrechtsverletzungen und Pressezensur beweist.
Klar, mit einem Boykott der Olympischen Spiele würde man ein deutliches Zeichen setzen. Allerdings käme dieses Zeichen so ziemlich genau sieben Jahre zu spät. Eine Entscheidung gegen China hätte in der Bewerbungsphase 2001 fallen müssen. Heute würde man mit einem Boykott dagegen vor allem denen schaden, die ewig für diesen Wettbewerb trainiert haben: den Sportlern. Und das wäre im wahrsten Sinne des Wortes unsportlich… oder?
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